Übermüdung im Führerstand ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Missachtung der Arbeits- und Ruhezeiten mit Gefährdung der Gesundheit von Beschäftigten und der Sicherheit im Eisenbahnverkehr. Deshalb fordert die Europäische Transportarbeiter-Föderation (ETF) eine digitale, manipulationssichere und grenzüberschreitend funktionierende Erfassung der Arbeits-, Lenk- und Ruhezeiten von Triebfahrzeugführerinnen und Triebfahrzeugführern.
Gravierende Arbeitszeitverstöße im Eisenbahnverkehr hat mobifair bereits früh erkannt. Mit zahlreichen Recherchen konnte mobifair zahlreiche Verstöße und Kontrolllücken nachweisen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sind mit in die gewerkschaftliche und europäische Diskussion eingebracht worden.
Doch wie lässt sich zuverlässig feststellen, ob Beschäftigte tatsächlich ausreichend Ruhe erhalten, wenn ihre Einsätze bei unterschiedlichen Unternehmen, in verschiedenen Ländern und unter unterschiedlichen betrieblichen Bedingungen stattfinden? Die Antwort kann nur eine verlässliche, digitale und unternehmensübergreifende Datenerfassung sein, die Arbeitszeiten zusammenführt und eine wirksame Kontrolle ermöglicht. Nur so lässt sich für mobifair die „Spreu vom Weizen“ bei den Unternehmen trennen.
Europäische Kommission und die ERA sind jetzt gefordert
Die Europäische Eisenbahnagentur (ERA) soll nun konkrete Vorschläge für die Umsetzung erarbeiten. Das bestätigte Gerhard Tauchner, Präsident der ETF Sektion Eisenbahn. Trotzdem gibt es nach wie vor Widerstand, auch von den europäischen Eisenbahnen selbst.
Die Forderung der ETF wurde auf der Internationalen Eisenbahnsicherheitskonferenz (International Railway Safety Conference, IRSC) im Oktober 2026 in Lissabon von Marco Hörtenhuber-Stuhl, österreichischer vida-Gewerkschafter und technischer Koordinator der ETF, vorgestellt. Damit erhält eine Forderung neuen Nachdruck, für die sich ETF und mobifair seit langem einsetzen: Arbeitszeitverstöße dürfen nicht im Verborgenen bleiben. Sie müssen erkannt, nachvollziehbar dokumentiert und wirksam kontrolliert werden können.
mobifair fordert deshalb:
- eine digitale und manipulationssichere Erfassung der Arbeits-, Lenk- und Ruhezeiten im Eisenbahnverkehr;
- eine grenzüberschreitende Kompatibilität der Systeme und eine zuverlässige Berücksichtigung von Mehrfachbeschäftigungen;
- wirksame Kontrollen durch die zuständigen Behörden und nachvollziehbare Konsequenzen bei festgestellten Verstößen;
- verbindliche Umsetzungsvorschläge und einen klaren europäischen Weg zur Einführung des Systems;
- einen konsequenten Schutz von Datenschutz, Privatsphäre und Beschäftigtenrechten;
- eine Sicherheitskultur, die Überlastung frühzeitig erkennt, Prävention ermöglicht und den sozialen Arbeitsschutz durchsetzt.
mobifair wird sich gemeinsam mit seinen europäischen Partnern dafür einsetzen, dass aus der Forderung eine wirksame europäische Lösung wird.