Kurz notiert: Kahlschlag bei DB Cargo

Geschrieben am 07.03.2025
von Tobias Lipser

Unsinn der Europäischen Liberalisierungspolitik und Unvermögen des Bundes, sich dagegen zu wehren, treiben DB Cargo immer tiefer in den Abgrund und den Güterverkehr auf die Straße!

Mit der Einleitung ist eigentlich schon das ganze Dilemma offengelegt. Ja, DB Cargo hat in der Vergangenheit zahlreiche defizitäre Verkehre gefahren. Sicherlich kann man auch manche Abläufe oder Organisationsstrukturen innerhalb der DB Cargo hinterfragen. Doch ein Kahlschlag, um innerhalb weniger Monate schwarze Zahlen zu erreichen, kann nur gewaltigen Schaden anrichten. Wie bitte schön darf man die Aussage bewerten, dass im Einzelwagenverkehr nur Leistungen gefahren werden sollen, mit denen man Geld machen könne?

Besonders der Einzelwagenverkehr, mit Bedienung von Gleisanschlüssen und zahlreichen Rangiervorgängen, machen diese Art des Güterverkehrs auf der Schiene teuer. Auch die notwendigen Gleisanlagen zur Organisation eines flächendeckenden Güterverkehrs kosten viel Geld. Das ist auch der Grund, warum Privatbahnen sich vor solchen Leistungen scheuen. Ganzzüge lassen da schon mehr Ertrag zu.

Auch das Vorhaben von Frau Nikutta als Vorstandsvorsitzende, die Kostenstrukturen der Privaten erreichen zu wollen, ist aus Sicht von mobifair fragwürdig und wäre ein verlorener Kampf. Wir wissen, dass es zahlreiche schwarze Schafe gerade im Bereich der kleinen privaten Unternehmen gibt, die wir mit unseren Recherchen immer wieder ins Licht zerren. Gerade die Beschäftigten dieser Unternehmen leiden unter den teils katastrophalen Arbeitsbedingungen. In vielen Bereichen ist dann auch nicht die private Eisenbahn der Konkurrent, sondern die Flotte von Dumpingspeditionen, die ihre Fahrer ausbeuten und mit schlecht gewarteten oder manipulierten Fahrzeugen quer durch Europa fahren.

Ein weiteres fatales Signal ist es, wenn in der jetzigen Situation der insgesamt schwachen Wirtschaftslage in Deutschland mit der Axt Abbau an Strukturen und Personal betrieben wird, die bei einer wieder belebten Wirtschaftslage wieder gebraucht werden. Was einmal weg ist, kommt auch nicht wieder!

Besonders eindrucksvoll sieht man das bei der Infrastruktur selbst. Der Abbau ganzer Rangierbahnhöfe, Verladeanlagen und Gleise mag für Stadtentwickler gerade in zentralen Lagen willkommen sein und wir sehen in vielen Städten, was man daraus alles entstehen lassen kann. Schön für die Städte, desaströs für die Schiene!

Einziger Lichtblick beim drastischen Zusammenstreichen der Strukturen, Abläufe und natürlich auch Personale ist das stabile Tarifwerk, das die EVG für die Beschäftigten ausgehandelt hat, und es sind die starken Betriebsräte, die trotz der schwierigen Situation sich für jeden Einzelnen einsetzen. Einen solchen personellen Kahlschlag sozialverträglich umzusetzen ist eine riesengroße Leistung, auch wenn das Herz blutet, weil der Weg des Unternehmens volkswirtschaftlich völlig falsch ist.

Insgesamt ist die Bundespolitik nach wie vor einen Plan schuldig, wie man verbindlich die Verkehre von der Straße auf die Schiene bringen kann und das sollte aus Sicht von mobifair erst einmal auf den Tisch! Bewusste Grenzen und höhere Anforderungen an den Straßengüterverkehr zu Gunsten der Schiene wären der richtige Weg. Mehr Kontrollen und Durchsetzung der Gesetze beim Straßengüterverkehr etwa wären schon mal ein Anfang. Klare Kante zu zeigen gegenüber der Europäischen Kommission gehört ebenfalls dazu.

Es ist Irrsinn, dass den Liberalisierungsbefürwortern aus Brüssel freie Hand gelassen wird. Die Güter, die aufgrund des angeordneten Kahlschlags von DB Cargo nicht mehr gefahren werden, weil damit derzeit kein Geld zu verdienen ist, werden auch nicht von anderen Eisenbahnen gefahren. So und nicht anders ist das!

Damit sind dann die Verlagerungsziele vom Tisch und es landen viele zusätzliche Transporte auf der Straße. Damit ist aber auch klar, was mit den Zielen der Klimaneutralität in der Mobilitätswirtschaft geschieht, wenn die Leistungsfähigkeit von DB Cargo aufs Spiel gesetzt wird.